Die Technologie hinter der Langlebigkeit: Was NACHI Rillenkugellager einzigartig macht

In diesem Quartal widmen wir uns dem Fokusthema Rillenkugellager. Diese Lagerbauart ist aus der Industrie nicht wegzudenken und jeder Hersteller bringt seine eigene Expertise in deren Weiterentwicklung ein. Doch worin liegen die feinen, aber entscheidenden Unterschiede? Der japanische Hersteller NACHI setzt auf eine einzigartige Konstruktion mit Spezialdichtungen und einem besonderen Schmierstoff, um höchste Leistung und Langlebigkeit zu gewährleisten.

Wir haben mit Florian Nimz, Sales Manager der Bearing Division bei NACHI, gesprochen. Im Interview gibt er spannende Einblicke in die Fertigungsprozesse, erzählt die Geschichte hinter dem Namen NACHI und verrät, mit welchen innovativen Lösungen sich das Unternehmen auf die Zukunft des Wälzlagermarkts vorbereitet.

Beginnen wir doch mit einer kurzen Vorstellung: Wer sind Sie und welche Funktion haben Sie bei NACHI?

Florian Nimz: Mein Name ist Florian Nimz, und ich bin als Sales Manager in der Bearing Division von NACHI tätig. Ich betreue Industrie-Kunden und Distributoren in Süd- und Ostdeutschland, Österreich und der Schweiz.

Woher kommt der Name NACHI?

Florian Nimz: Der Markenname NACHI leitet sich von „KUMANO-NACHI-TAISHA“ ab – dem Großen Schrein, der als Ursprung Japans gilt. Dieser Name symbolisiert unseren starken unternehmerischen Willen. Bereits 1929, ein Jahr nach unserer Gründung, wurde NACHI als Marke etabliert, und seitdem tragen all unsere Produkte diesen Namen.

Ihr Unternehmen deckt den gesamten Fertigungsprozess ab, von der Stahlherstellung bis hin zur Anwendung der Wälzlager, insbesondere in der Robotik-Entwicklung. Können Sie uns mehr darüber erzählen?

Florian Nimz: Unser Produktportfolio umfasst Schneidwerkzeuge, Spezialstähle, Wälzlager, hydraulische Komponenten und Systeme sowie Industrie-Roboter. Alle diese Produkte werden inhouse bei NACHI hergestellt und bilden ein einzigartig integriertes System. Dadurch haben wir volle Kontrolle über unsere Prozesse und gewährleisten die höchstmögliche Qualität unserer Endprodukte. Wir agieren als Zulieferer für die allgemeine Industrie, aber insbesondere für Hersteller von Werkzeugmaschinen, Baumaschinen, für die Automobil- und Luftfahrtindustrie, Kraftwerksanlagen sowie für die Elektro- und Elektronikbranche.

Ihr Portfolio umfasst Rillenkugellager, die standardmäßig mit Spezialdichtungen ausgestattet sind. Was sind die Besonderheiten dieser Ausführung?

Florian Nimz: Die Kombination aus einer speziellen Dichtnut und einer einzigartigen Lippenform sorgt für einen konstanten Dichtkontakt. Das ist essenziell, um auch bei relativen Bewegungen der Dichtung – bedingt durch Spiel, externe Belastungen oder Fertigungstoleranzen – eine hervorragende Dichtleistung zu gewährleisten. Ein integrierter Belüftungsschnitt verhindert zudem, dass sich durch Temperaturveränderungen ein Unterdruck bildet, der das Drehmoment erhöhen könnte. Außerdem sorgt ein neues, hitzebeständiges Nitrilkautschukmaterial dafür, dass die Dichtleistung auch bei Temperaturen von -25 bis 130 °C konstant bleibt.

Welcher spezielle Schmierstoff wird in diesen Rillenkugellagern eingesetzt?

Florian Nimz: In unseren Rillenkugellagern wird das speziell für NACHI entwickelte Schmiermittel Multemp SRL-Q eingesetzt. Dieses Hochleistungsfett wurde in Zusammenarbeit mit Kyodo Yushi optimiert, um die spezifischen Anforderungen von NACHI-Lagern zu erfüllen. Im Vergleich zum bisherigen Standardfett bietet es eine doppelt so lange Schmiermittellebensdauer bei 120 °C Einsatztemperatur. Dadurch trägt es maßgeblich zur verlängerten Lebensdauer und verbesserten Leistungsfähigkeit der Lager bei, insbesondere unter anspruchsvollen Betriebsbedingungen.

Welche zukünftigen Herausforderungen und Chancen sehen Sie für die Wälzlagerbranche angesichts der sich entwickelnden globalen Märkte und technologischen Fortschritte?

Florian Nimz: Wir konzentrieren uns derzeit darauf, harzbeschichtete Lager zu entwickeln, die einen verbesserten Schutz gegen elektrolytische Korrosion bieten – eine entscheidende Innovation, insbesondere im Hinblick auf den wachsenden Markt für Elektrofahrzeuge (EV). Auch wenn die EV-Nachfrage momentan noch im Aufbau ist, erwarten wir in Zukunft ein deutliches Wachstum. Mit dieser Spezifikation prüfen wir, ob wir diese Lager auch in Industrieelektromotoren einsetzen können, da die internen Bedingungen in diesen Motoren denen von EV-Motoren ähneln. Aktuell werden keramische Lager verwendet, um elektrolytische Korrosion zu verhindern. Sollte es uns gelingen, diese zu ersetzen, können wir ein kostengünstigeres Produkt anbieten. So passen wir unser Sortiment kontinuierlich den zukünftigen Marktbedürfnissen an.

Vielen Dank für das spannende Gespräch!