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06.06.2025
10 Jahre Lineartechnik bei PICARD: Von den Anfängen bis heute
Seit 2015 gehört Lineartechnik fest zum PICARD-Sortiment. Was als Testprojekt begann, hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem essenziellen Bestandteil unseres Sortiments entwickelt. Mit einem hauseigenen Linearcenter innerhalb unserer Lagerlogistik, das modernste Technik mit einem engagierten Team vereint, bearbeiten wir konfigurierbare Lineartechnikprodukte passgenau nach individuellen Kundenanforderungen. Dominik Leskosek, Area Manager des Linearcenters, gibt im Interview spannende Einblicke in die Entwicklung der Lineartechnik bei PICARD.

Dominik, du bist von Anfang an im Bereich Lineartechnik bei PICARD tätig. Stell dich doch kurz vor und erzähle, wie du zu diesem Bereich gekommen bist.
Dominik Leskosek: Ich heiße Dominik Leskosek, bin 34 Jahre alt und seit mittlerweile zehn Jahren Teil des PICARD-Teams – und damit von Anfang an am Aufbau unseres Lineartechnik-Bereichs beteiligt. Schon im ersten Gespräch mit unserem Geschäftsführer war mir klar: Hier kann ich etwas bewegen und mein technisches Know-how sinnvoll einbringen. Ursprünglich im Warenausgang gestartet, hat mich mein Interesse an der Lineartechnik schnell in diesen Bereich geführt. Heute bin ich im Linearcenter als Area Manager tätig und freue mich, die Entwicklung von Beginn an mitgestaltet zu haben.
Wie hat sich die Lineartechnik bei PICARD in den letzten zehn Jahren entwickelt? Welche Meilensteine gab es – etwa in Bezug auf die Größe unseres Linearcenters oder die Anzahl der Mitarbeitenden?
Dominik Leskosek: Als wir im Sommer 2015 starteten, war uns noch nicht voll bewusst, wie viel technisches Know-how und organisatorischer Aufwand mit der individuellen Bearbeitung von Lineartechnik verbunden ist. Denn Produkte nicht nur ab Lager zu liefern, sondern sie nach Kundenwunsch zu konfigurieren und passgenau zu bearbeiten, bringt ganz eigene logistische und technische Herausforderungen mit sich. Durch meine vorherige Ausbildung als Anlagenmechaniker konnte ich wertvolle Erfahrung mitbringen. Schnell erkannten wir große Optimierungspotenziale. Ein wichtiger Meilenstein war 2017 die Umstellung von einer manuellen auf eine automatische Trennmaschine. Das half uns, unser Lieferversprechen einzuhalten – in der Regel verlassen Schienen und Wellen noch am selben Tag unser Lager, was für viele Kunden eine enorme Zeitersparnis bedeutet.
Die steigende Nachfrage führte 2018 zum Umzug in eine eigene Halle und zur Anschaffung einer zweiten automatischen Trennmaschine. 2019 begannen wir, die Schienenenden durch einen Horizontalfräser mit einer Fase zu versehen, was den Einbau der Führungswagen erleichtert und die Dichtungen schützt. 2022 erweiterten wir unseren Maschinenpark um einen zweiten Horizontalfräser und eine Stirnflächenschleifmaschine, mit der wir auch mehrteilige Schienen fertigen können.
Unser Team wuchs von drei auf heute zehn Mitarbeitende, die in Früh- und Spätschicht sowie in der Kartonagenfertigung arbeiten. Gemeinsam stellen wir sicher, dass die Aufträge effizient und zuverlässig umgesetzt werden.
Welche Bearbeitungsmöglichkeiten für Schienen und Wellen bietet PICARD an?
Dominik Leskosek: Ein zentrales Thema bei uns ist die maßgeschneiderte Bearbeitung von Profilschienen und Wellen – vor allem das Kürzen auf individuelle Längen. Dafür stehen uns verschiedene Maschinen und Verfahren zur Verfügung. Die meisten Hersteller lagern sogenannte Werklängen, die je nach Typ bis zu acht Meter lang sein können. Unsere Kunden brauchen in der Praxis aber oft ganz andere Maße. Deshalb gehört das Trennen zu den ersten und wichtigsten Arbeitsschritten. Hierbei wird die Schiene oder Welle zunächst an der Trennmaschine vermessen und anhand der Kundenvorgaben zugeschnitten.
Nach dem Trennen ist das Entgraten und Fasen unerlässlich, um scharfe Kanten zu entfernen. Hier kommen bei uns unter anderem ein Horizontalfräser und ein sogenannter Rundläufer zum Einsatz. Der Horizontalfräser bearbeitet die Schienenenden und erzeugt eine saubere Fase, indem er der Kontur der Schiene präzise folgt. Der Rundläufer wird hingegen speziell für das Entgraten von Wellen verwendet – eine wichtige Maßnahme, um Verletzungsrisiken und Funktionsbeeinträchtigungen zu vermeiden.
Und wenn Profilschienen länger sein müssen als die verfügbaren Standardlängen, bieten wir die Bearbeitung auf Stoß an. Dafür setzen wir eine hochpräzise Schleifmaschine ein, die die Stirnflächen zweier Schienen so bearbeitet, dass sie mit einem Spaltmaß von weniger als 0,02 mm perfekt aneinanderpassen. Das ist entscheidend für den ruckelfreien Lauf der Wagen über die Stoßstelle hinweg.
Im letzten Schritt werden die bearbeiteten Schienen gereinigt, mit einem Korrosionsschutz versehen und lasergraviert. Hierbei kommt unsere Graviermaschine zum Einsatz. Auch die Stoßstellen werden beschriftet – das ist wichtig, damit genau die beiden passenden Stirnseiten bei der Montage wieder korrekt zusammengefügt werden. So liefern wir montagefertige Komponenten, die ohne Nacharbeit direkt eingesetzt werden können.
Mit welchen Produkten haben wir damals den Grundstein für unser heutiges Linear-Sortiment gelegt? Wie hat sich unser Lagerbestand seitdem entwickelt?
Dominik Leskosek: Unser Sortiment startete mit Profilschienen- und Wellenführungen von namhaften Herstellern wie INA (Schaeffler), NSK und THK. Im Laufe der Jahre haben wir das Angebot um weitere Top-Marken wie Schneeberger, EWELLIX (Schaeffler), Bosch Rexroth und SNR erweitert. Seit 2015 haben wir unseren Lagerbestand insgesamt vervierfacht, um eine breite Verfügbarkeit und Auswahl für unsere Kunden sicherzustellen.
Wie schnell kann PICARD Sonderlängen fertigen und liefern?
Dominik Leskosek: Auch Sonderlängen – häufig in Form mehrteiliger Schienen – verlassen unser Lager in der Regel noch am selben Tag. Voraussetzung ist, dass der Auftrag bis spätestens 19 Uhr bei uns eingeht. Entscheidend ist dabei auch der Umfang der Bestellung. Zudem sind wir an die Abholzeiten unserer Versanddienstleister gebunden: Geht ein Auftrag erst später am Abend ein, erfolgt der Versand am Folgetag.
Gab es im Laufe der Jahre eine Bestellung, die dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?
Dominik Leskosek: In den vergangenen Jahren gab es einige außergewöhnliche Aufträge. Besonders in Erinnerung geblieben ist eine Lieferung nach Südamerika mit insgesamt 11,5 Tonnen Material – verteilt auf 13 Kisten mit Schienenlängen von bis zu 6,30 Metern. Auch ein Auftrag eines niederländischen Kunden mit über 3.000 Schnittpositionen war eine echte Herausforderung: Das war die bislang größte Anzahl an Zuschnitten in einem einzelnen Projekt. Trotz des Umfangs konnten wir die gesamte Bestellung zügig abwickeln – ohne Verzögerungen bei anderen Kundenaufträgen.
Vielen Dank für den spannenden Einblick!